| Über uns Gemeinden Europa Service Presse und Medien | Mödlhammer: Stellung der Gemeinden in Verfassung ausbauen 26.06.2012 ![]() Bildrechte: Gemeindebund Für Österreichs Gemeinden ist der 26. Juni 2012 ein Tag zur Freude: Seit 50 Jahren besteht die österreichische Gemeindeordnung. Dies wurde im Rahmen eines Festakts im Parlament gefeiert. Doch die Gemeindevertreter haben auch den Blick auf die Realität und die Zukunft nicht verloren. Gemeindebund-Präsident Bgm. Helmut Mödlhammer äußerte in seiner Ansprache einen Wunsch: "Es wäre richtig die Gemeinden und ihre Interessensvertretungen noch stärker in der Verfassung zu verankern. Damit könnten wir eine verfassungsmäßige Bestandsgarantie der kommunalen Spitzenverbände erreichen, die uns auf Augenhöhe mit Bund und Ländern verhandeln, und vor allem auch Verträge abschließen lässt. Das würde die Abwicklung vieler Vorhaben deutlich vereinfachen und teure Umwege ersparen." In seiner Rede erinnerte Mödlhammer daran, dass jene Verfassungsnovelle, die man heute feiere, vor 50 Jahren sehr hart erkämpft worden war. "Es hat damals nicht an Versuchen gefehlt, einen Keil zwischen große und kleine Gemeinden zu treiben. Das ist ein Verhalten, das ich auch heute noch immer wieder bemerke." Deutliche Worte fand Mödlhammer auch zur Frage der Gemeindefusionen: "Die Gemeinden sind immer wieder für sinnvolle Reformen offen, allerdings nur dann, wenn sie nachweislich etwas bringen und nicht gegen den Willen der Bürger stattfinden. "Man sollte daher auch in der Verfassung festhalten, dass Gemeinden nur nach einer positiven Volksabstimmung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger zusammengelegt oder aufgelöst werden", so Mödlhammer. Auch für die aktuelle Diskussion rund um direktdemokratische Möglichkeiten, weist Mödlhammer darauf hin, dass Österreichs Gemeinden Tag für Tag direkte Demokratie leben. "Mein Appell zu diesem Jubiläum ist: Reden wir nicht groß über die Gemeindeselbstverwaltung, sondern tun wir gemeinsam alles dafür um sie zu schützen, zu stärken und mit Leben zu erfüllen. In jenem Geist, mit dem vor 50 Jahren in diesem Saal die Gemeindeverfassungsnovelle beschlossen wurde", so Mödlhammer abschließend. Auch Städtebund-Präsident Bgm. Michael Häupl wies darauf hin, dass repräsentative und direkte Demokratie ineinander gehen müssen. Er strich die hohe Qualität der Infrastruktur hervor und betonte, dass auch die Zufriedenheit der Bevölkerung ein eindeutiges Zeichen ist, die Einrichtungen der Daseinsvorsorge in der öffentlichen Hand zu belassen. Auch im europäischen Kontext sieht er die Rolle der Gemeinden gestärkt: "Wir brauchen ein bürgernahes Volkseuropa. Gesellschaftliche Veränderungen finden in den Gemeinden und Städten statt. Diese Flexbilität sollte ein Vorbild für Europa sein." Der Festredner Univ.-Prof. Dr. Johannes Pichler, der Leiter des Instituts für Rechtsgeschichte und Europäische Rechtsentwicklung der Karl-Franzens-Universität Graz, zeichnete ein positives Bild der Zukunft der Gemeinden. Er betonte, dass die Menschen den Souverän des Staates ausmachen und dass dies auch in der Debatte um die Direkte Demokratie immer berücksichtigt werden sollte. Das Subsidiaritätsprinzip, das nun durch den Vertrag von Lissabon auch auf EU-Ebene festgeschrieben wird, ist für ihn wesentlich auch in der Zukunft: "Am Ende der europäischen Entwicklung werden die Gemeinden als bürgernächste Einheit und die EU als Repräsentator nach Außen über bleiben. Die nationalen Parlamente werden nur mehr eine kontrollierende Funktion ausüben und eventuell als Bundesrat auf europäischer Ebene vertreten sein." Da diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten sei, forderte er die Bürgermeister auf, dieses Bewusstsein und den Stolz als Europäer auch in die Bevölkerung zu tragen: "Öffnen Sie Ihre Gemeindestube für Open Government. Öffnen Sie Ihre Gemeindestube für direkte Demokratie, aber nutzen Sie das Instrument nicht nach Belieben. Das schadet dem Instrument. Unterstützen Sie direkte Demokratie auch in Brüssel und arbeiten Sie mit am Aufbau einer europäischen Zivilgesellschaft. Bei der bürgernächsten Einheit beginnt der Aufbau der EU." Unterrichtsministerin Claudia Schmied ist sich der wichtigen Stellung der Gemeinden in der Bildungspolitik bewusst und betonte: "Die Gemeinden sind ganz wichtige Partner in der Umsetzung, ob es sich dabei nun um die Einführung der Neuen Mittelschulen handelt, oder um die Erweiterung der schulischen Tagesbetreuung. Eine gute Schule im Ort ist ein wichtiger Standortfaktor für die Gemeinden. Ich bin stolz, dass wir im vorigen Jahr die 15a-Vereinbarung zustande gebracht haben. Vielleicht können wir ja wirklich bald Direktverträge mit den Gemeinden vereinbaren. Ich wär' dabei."
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