| Über uns Gemeinden Europa Service Presse und Medien | Interview: Kopfwäsche aus dem Westen für Bundesregierung 29.11.2011 ![]()
Die Politik macht derzeit alles andere als einen souveränen Eindruck. Verantwortlich dafür sind Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP), darüber sind sich Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden und der Hallwanger Bürgermeister Helmut Mödlhammer einig. Schaden: Es ist ein Elend. Am Beispiel Schuldenbremse zeigt sich am besten, wo die Probleme liegen. Da wird, weil die Ratingagenturen Österreich prüfen, über Nacht verkündet, dass eine Schuldenbremse in der Verfassung verankert werden soll. Gleichzeitig beschließt man ein Budget mit mehr als neun Milliarden Euro neuer Schulden. Dann wird noch klar, dass man mit niemandem geredet hat und nicht einmal die notwendige Mehrheit hat. Und dann wundern sich Werner Faymann und Michael Spindelegger, dass die Leute kein Vertrauen mehr in sie haben. Woran liegt das? Mödlhammer: Faymann und Spindelegger sind in eine virtuelle Welt eingetaucht. Die nehmen die Realität kaum noch zur Kenntnis. Die Politik wird immer oberflächlicher, es zählt nicht mehr der sachliche Erfolg, nur noch ob man selbst oder die Partei einen Vorteil hat, das ist fatal. Das sind ja alles keine Naturgesetze, warum ist das so? Schaden: Die Parteizentralen sind die eigentlichen Machtzentren. Was dort passiert, hat mit der Realität nichts zu tun. Die leben in ihrer eigenen Welt. Woran liegt es, dass die Staatsspitze in ihrer eigenen Welt lebt? Mödlhammer: Das hat sicher mit der Tiefe der handelnden Personen zu tun. Mit ihrer Grundeinstellung. Die wollen ja gar nicht gestalten. Es gibt ja auch noch die Parlamentarier, die eigentlich die Stimmung der Bevölkerung zur Regierung transportieren könnten? Schaden: Könnten. Aber denen hören sie ja auch nicht zu. Da werden gestandene Mandatare einfach überrollt. Etwa in der Wehrdebatte. Der SPÖ-Wehrsprecher Stefan Prähauser, der ja ein gestandener Mandatar ist und ein machtbewusster Mensch, der sollte auf einmal genau das Gegenteil vertreten, wofür er vorher gestanden ist. Das ist ein Witz. Und so ziehen sich immer mehr in die innere Immigration zurück. Was würden Sie ihnen sagen? Mödlhammer: Dass die Gemeinden ihren Laden im Griff haben. Die Gemeinden haben sich verpflichtet, keine neuen Schulden zu machen. Das haben wir auch in der Vergangenheit nicht gemacht. Und dass man einen Plan auch einmal umsetzen muss, vorausgesetzt, man hat vorher mit allen gesprochen und ihn anständig erklärt. Was würden Sie ändern? Mödlhammer: Zuerst einmal gehören die Zuständigkeiten geklärt. Wenn eine Gebietskörperschaft für etwas zuständig ist, dann soll nicht auch noch eine andere mitmischen. Das bringt nur Probleme und ist teuer. Ein Beispiel: Wenn es um die Kinderbetreuung geht, dann reden derzeit vier Ministerien und das Land mit. Ich sage, alle Kompetenzen und das Geld dafür zu den Gemeinden, dann machen wir schon etwas Anständiges, über das sich niemand beschweren wird. Sind Sie eigentlich noch mit Überzeugung Sozialdemokrat? Schaden: Ich bin ein überzeugter Anhänger von Bruno Kreisky. Damals habe ich meine inneren Batterien aufgeladen. Davon zehre ich noch. Die SPÖ derzeit: Es gibt kein Programm, keinen Nachwuchs und keine Führung. Fortsetzung via Radio Vizekanzler und ÖVP-Obmann zeigte sich nicht besonders amüsiert. Er lasse sich nicht auf der Nase herumtanzen, so Spindelegger beim ÖAAB-Bundestag in Oberösterreich. Wenn das so weitergehe, werde man einen "anderen Spindelegger kennenlernen", kündigte der ÖVP-Chef an. Mödlhammer wiederum rückte vom Kern seiner Kritik auch am Montag nicht ab. Im ORF-Radio nahm er erneut Stellung (Hören Sie hier den Beitrag im Mittagsjournal von Ö1) Feedback | Schwerpunkte . |